​After-Ignite-Impressionen – SharePoint 2016 Vorstellung

In diesem Jahr fand vom 4.-8. Mai die von der Fachwelt lang und mit Spannung erwartete Ignite 2015 in Chicago (http://ignite.microsoft.com/) mit mehr als 20.000 Teilnehmern statt. Da der Weg nach Chicago weit, die Zeit knapp und das Interesse dennoch zwar groß, aber auf einen doch eher begrenzten Teil der Microsoft Produktpalette fokussiert ist, werden auf der ganzen Welt sogenannte After Ignite Events veranstaltet, die all jenen, die nicht nach Chicago reisen konnten, eine Zusammenfassung der wichtigsten Neuigkeiten bieten sollen. An einem solchen „Nach-Event“ teilzunehmen, hatten wir am 27. Mai in Berlin das Vergnügen.

 

Die Berliner Veranstaltung war, wie nicht anders zu erwarten, thematisch stark auf den SharePoint 2016 und dessen Gegenstück in der Wolke ausgerichtet. Neben etwas Marketing gab es viele nützliche Informationen insbesondere auch sehr entspannende - aus der Sicht eines Dienstleisters und ISVs, der seine Produktpalette an den SharePoint als Entwicklungsplattform geknüpft hat. Dies wurde auch insofern mit Wohlwollen aufgenommen, als dass die Informationspolitik zur Zukunft von SharePoint aus Redmond in den letzten beiden Jahren in verschiedenen Fällen eher alles andere als geradlinig war.

 

Strategiewechsel bei Microsoft: Hybrid First – Cloud Second

Stand noch das Jahr 2014 ganz im Zeichen der Cloud und einer Politik, die der Formel Cloud First folgte, so scheint gerade diese Formel, auch wenn sie sicherlich die Produktentwicklung bei Microsoft immer noch dominiert, nicht mehr in dem bekannten Maße nach außen kommuniziert zu werden, sondern vielmehr dem Schlagwort Hybrid gewichen zu sein. Die Zeiten, in denen der Kunde oder Partner mit zu viel Speed und Nachdruck in die Cloud gedrängt werden sollt, gehören anscheinend der Vergangenheit an. Vielmehr sollen sich über den Weg der Bereitstellung neuer integrativer Features im SharePoint die Wolke und die On-Premise-Welt treffen.

 

SharePoint On-Premise wird weiter supported

Und damit kommen wir auch gleich zur ersten wichtigen Nachricht: SharePoint 2016 wird nicht die letzte On-Premise-Version sein und befindet sich damit nicht auf dem gelegentlich prophezeiten Abstellgleis. Anwender, Entwickler und Berater, die auf dem Standpunkt stehen, dass das in der Cloud gehostete Office 365 gerade als Entwicklungsplattform bei weitem noch nicht die Möglichkeiten der Installation vor Ort erreicht hat, sind so den Druck los, die eigenen Anwendungen an die Paradigmen Wolke anpassen zu müssen.
Damit einhergehend und sicherlich ähnlich positiv aufgenommen, wurde des Weiteren angekündigt, dass der neue SharePoint nicht nur Farm-Solutions im vollen bisher bekannten Umfang unterstützt, sondern dass diese ebenfalls auch nicht abgekündigt wurden und uns demzufolge auch noch in der übernächsten Version als mächtige Möglichkeit, hochspezialisierte und anspruchsvolle Unternehmenslösungen auf der Basis des SharePoint SSOM zu entwickeln, zur Verfügung stehen werden.

 

Abschied von Sandbox-Solutions

Endgültig der Vergangenheit werden jedoch die Sandbox-Solutions angehören, denen, so darf man annehmen, kaum jemand ernsthaft nachtrauern wird. Auch wenn der endgültige Zeitpunkt des Verschwindens der Sandbox-Solutions noch nicht feststeht, so war doch die Aussage des
Microsoft Experten unmissverständlich: „Runter mit dem Zeug!“ 


Abwärtskompatibilität von SharePoint

Mit dem nunmehr erscheinenden SharePoint 2016 werden auch die Solutions der Vor-Vorgängerversion nicht mehr unterstützt. Wer seine SharePoint 2010 Solutions auf dem SharePoint 2016 verteilen will, muss diese erst auf SharePoint 2013 anheben. In diesem Zusammenhang stellt sich allerdings auch die Frage nach der Kompatibilität der Entwicklungsumgebungen: Ob die Entwickler ein neues Visual Studio benötigen, um für SharePoint 2016 entwickeln zu können, oder ob entsprechenden Templates mit einem Update für das aktuelle Visual Studio ausgerollt werden, konnte leider noch nicht beantwortet werden.

 

Webparts für Social in Kombination mit Office 365

Wie anfangs schon erwähnt, ist derzeitig „Hybrid“ das dominierende Buzz-Word, welches die Menge der wichtigsten Neuerungen im Bereich der SharePoint 2016 Features beschreiben soll. Wichtige Entwicklungen im Bereich des Office 365, wie z.B. Microsoft Office Delve, Yammer, Microsoft OneDrive for Business oder Microsoft Azure Video werden nicht im SharePoint 2016 On-Premise zur Verfügung stehen, und folgt man den Aussagen der anwesenden MVPs, so war und ist eine derartige  Entwicklung auch nicht geplant. Um dennoch den zahlreichen On-Premise-Nutzern und -Befürwortern die Möglichkeit zu geben, diese Technologie auch in der eigenen SharePoint-Installation nutzen zu können, stellt Microsoft sozusagen „von der Stange“ WebParts und andere Objekte im SharePoint 2016 zur Verfügung, die es den Benutzern ermöglichen, diese Online-Inhalte anzuzeigen und zu verwalten, so denn ein gültiges Office 365 Konto vorhanden ist.

 

Erweiterungen der SharePoint Suche

Und damit kommen wir auch schon zu der nächsten wichtigen Neuerung: Um alle diese integrierten Inhalte im Zusammenspiel nutzen zu können, wurde die SharePoint-Suche erweitert. Im SharePoint 2016 können Farm-, Intranet- und Office 365-Inhalte mit einer Anfrage durchsucht werden. Das dies auch seine Konsequenzen für suchgetriebene Anwendungsentwicklung haben wird, liegt auf der Hand. Neue bzw. wesentlich verbesserte Möglichkeiten der mobilen Nutzung runden diese Integrationserfahrung ab.

 

Änderungen im Adminbereich

Neben den Anwendern und Entwicklern wurden bei der Konzeption des SharePoint 2016 auch die Administratoren als dritte Rolle mit umfangreichen Neuerungen bedacht. Zunächst wäre in diesem Zusammenhang die rollenbasierte Installation zu nennen. Der Farm Configuration Wizard wurde angepasst und ermöglicht bzw. erfordert schon zum Zeitpunkt der Konfiguration der Farm eine Definition der Rolle (z.B. Web Fronend Server, Application Server usw.). Neben der rollenbasierten Installation werden den Administratoren auch umfangreiche Tools zur Überwachung und Diagnose auf Farm- und Anwendungsebene zur Verfügung gestellt. Insbesondere soll die Logging-Funktionalität wesentlich verbessert wurden sein. Letzteres sicher eine direkte Folge davon, dass Microsoft durch den mittlerweile großflächigen Einsatz von Office 365 selbst die Erfahrung machen mussten, was es bedeutet, ein komplexes System wie einen SharePoint mit unzureichenden und oft nicht mehr ganz zeitgemäßen Logging-, Analyse- und Überwachungstools „7x24“ zu betreiben.


Angesichts der mittlerweile leistungsfähigeren Hardware und des Einsatzes neuer Speichertechnologien für SharePoint-Inhalte, konnte der empfohlene Drosselungsschwellwert (Threshold) für die Anzahl der Elemente in Listen und Bibliotheken von den noch aus SharePoint 2010 und SharePoint 2013 bekannten 5.000 auf einen bisher nicht spezifizierten Wert angehoben werden. Ob dies das generelle Problem der Listen-Drosselung lösen kann, oder ob hiermit lediglich aus dem
5.000er-Problem ein z.B. 10.000er-Problem gemacht wird, blieb leider offen. Bezüglich der eingestellten Anzahl maximal möglicher Lookup-Spalten je Liste, die für verknüpfungsintensive Produkte wie das QUAM der LINTRA relevant wäre, gab es leider bisher auch keine offiziellen Zahlen.
 
Leider soll der neue SharePoint kein Musterknabe in Sachen Abwärtskompatibilität und Flexibilität bezüglich der Systemvoraussetzungen werden. Als einziges Betriebssystem soll derzeitig Windows 2012 R2 und als einziger Datenbankserver der SQL Server 2014 SP1 unterstützt werden. Dies dürfte die Migrationen deutlich erschweren und aufgrund des Neulizensierungsaufwandes bei nicht vorhandener Software-Insurance auch verteuern. Läuft der SharePoint auf Windows 2012 R2, wird das .Net-Framework 4.5.2, auf „Threshold“ das .Net-Framework 4.6 benötigt. Als Standard-Migrationsmethode wird nach wie vor die database-attach-Methode unterstützt.

 

Releaseplanung für SharePoint 2016

Wie die Änderung des Namens von SharePoint 2015 auf SharePoint 2016 bereits erahnen lässt, hat sich das Release deutlich verzögert. War ursprünglich noch von einem Start in 2015 die Rede, so ist aus derzeitiger Sicht das erste Pre-Release frühestens im letzten Quartal des Jahres 2015 zu erwarten. Mit dem eigentlichen RTM kann im zweiten Quartal 2016 gerechnet werden.

 

Zusammenfassen kann dem SharePoint 2016 mit Spannung entgegengesehen werden. Entgegen allen sicherlich auch begründeten Befürchtungen wird der SharePoint, zumindest soweit vom derzeitigen Zeitpunkt aus absehbar, ein fester und wesentlicher Bestandteil der Produktpalette von
Microsoft bleiben und auch in Zukunft nicht nur als Kollaborationsplattform für endnutzende Unternehmen, sondern auch als Entwicklungsplattform für Dienstleister wie die LINTRA zur Verfügung stehen.