SharePoint Pro Tools

Welche Tools sind für einen WebSiteCollection Administrator von Vorteil?

 

SharePoint-Application-Administratoren, z.B. WebSiteCollection-Administratoren, und SharePoint-Entwickler stehen häufig vor dem gleichen Problem: Der Endanwender meldet ein Problem mit einer SharePoint-Anwendung, welches nachgestellt, klassifiziert, letztendlich gelöst oder zumindest hinreichend beschrieben zur Lösung weitergereicht werden muss. Die Klassifikation und das Nachstellen sind dabei zumeist die zeitaufwendigen Aufgaben, welche nicht zuletzt in einer Dedektivarbeit ausarten können. Das Resultat der Klassifikation kann von einem relativ einfach zu behebenden Datenproblem (eine falsche Eingabe führt zu einem falschen Verhalten), über Benutzer- und Konfigurationsfehler (sowohl in einer Anwendung, wie auch in der Serverarchitektur) hin zu Fehlern in einer Solution reichen. Häufig müssen bei der Ursachenforschung alle diese Möglichkeiten überprüft werden, bis ein abschließendes Urteil möglich ist. Diese Suche ist mühsam, kann allerdings durch geeignete Tools gut unterstützt werden.

 

Ich möchte nun einige Tools vorstellen, welche sich nach meiner Erfahrung in der Analyse von Fehlverhalten und Fehlern als geeignet herausgestellt haben. Welches Tool zum Schluss die Ursache tatsächlich findet, hängt natürlich vom Fehler ab, aber auch davon in welcher Tiefe die Ursachenforschung möglich ist. So kann durch Einschränkungen der Berechtigungen nicht immer davon ausgegangen werden, einen vollen Zugriff auf den SharePoint Server zu haben, im Besonderen gilt dies für Lösungen für O365 (SharePoint Online).

 

Meine empfohlenen Tools sind:

 

1. SharePoint Manager

Der SharePoint Manager ist ein Browser zur Darstellung des Objektmodells aller SiteCollections einer Serverfarm und kann unter http://spm.codeplex.com/ für SharePoint 2010 und 2013 herunterladen werden. Es basiert auf dem sogenannten SSOM (Server Side Object Model) und muss direkt auf dem SharePoint Server ausgeführt werden.

 

SharePointManager

 

In diesem Tool können sowohl alle Eigenschaften einer SiteCollection, in ihr enthaltenen Listen, Spalten, Inhaltstypen als auch die Elemente selbst auf übersichtliche Weise gesehen und damit auch analysiert werden. Häufig sind Fehlkonfigurationen in Listen- bzw. Spalteneinstellungen Ursache für Fehlerverhalten in Solutions. Mit dem SharePoint Manager können erwartete Eigenschaften, wie interne Spaltennamen, gezielt angezeigt, manche Eigenschaften, wie WebProperties, aber auch zu Testzwecken geändert werden.

 

SharePoint Manger2

 

 

2. ULS Viewer

Am Anfang der Ursachenforschung steht häufig eine SharePoint-Fehlermeldung, in welcher der Endanwender mit einer für ihn mehr oder weniger aussagekräftigen Fehlermeldung, einer sogenannten Correlation ID, sowie einem genauen Zeitpunkt konfrontiert wird. So wenig dies dem Endanwender hilft, desto nützlicher ist es dem Application-Administrator bei der Suche nach dem Fehler. Die Correlation ID und der Zeitpunkt ist eine Referenz auf das SharePoint-Log in welchem mehr Informationen zu finden sind. Versteckt zwischen Standard-SharePoint-Systemstatusmeldungen ist häufig die Ursache für die Fehlermeldung zu finden.

Allerdings kann bei einem umfangreichen Log, verursacht durch ein detailliertes Logging verschiedenster Services, die Suche zu einer sprichwörtlichen „Suche nach der Nadel im Heuhaufen“ ausarten. Logs von mehreren MB an Textinformationen sind keine Seltenheit. Hier helfen verschiedenen Tools in der Aufbereitung der Logs bzw. in der Liveüberwachung von Logergänzungen. Ein solches Tool ist der ULS Viewer für SharePoint 2013 und 2010, für 2013 herunterzuladen unter https://www.microsoft.com/en-us/download/details.aspx?id=44020.

 

ULS_Viewer

 

Eingeschränkt auf einzelne „Level“ oder Correlation IDs, kann so die Suche erheblich erleichtert und verschnellert werden.

 

ULS_Viewer2

 

 

3. SharePoint 2013 Management Shell

Liefert der SharePoint Manager keine Informationen, oder müssen gezielt Eigenschaften und Daten geändert werden, dann hilft häufig nur noch die SharePoint Management Shell. Ausgeführt direkt auf dem SharePoint Server (in welchem sie per Standardinstallation auf 2010 und 2013 gleichermaßen bereits enthalten ist), ermöglicht sie den Vollzugriff auf alle Inhalte und Eigenschaften und den gesamten Objektbaum der SharePoint-Anwendung. Von komplexen Konfigurationsscripten, wie Setupprozessen gesamter SharePoint-Farmen, SiteCollections und Solutions, bis hin zu konkreter Datenmanipulation kann die Management Shell eigentlich alles, was auch durch Programmierung möglich ist und gehört zwingend in das Repertoire jedes SharePoint-Administrators und SharePoint-Entwicklers.

 

MGMShell

 

 

4. SharePoint Client Browser

Der Zugriff auf den SharePoint Server ist in vielen Fällen nicht gegeben. Für diese Fälle gibt es eine Version des SharePoint Managers für den Zugriff auf das Datenmodell und den Objektbaum einer SiteCollection per Client basierend auf dem CSOM (Client Side Object Model), den SharePoint Client Browser, zu finden unter https://spcb.codeplex.com/. Durch den Zugriff per Client sind zwar die Möglichkeiten der Anzeige gegenüber der Servervariante eingeschränkt, der Client Browser ist aber für SharePoint 2010, 2013 und auch für Online erhältlich, wofür es keine entsprechende Servervariante geben kann.

 

Client Browser

 

 

5. SharePoint Designer

Eine komfortable Übersicht über die gesamte SiteCollection aufbereitet nach funktionalen und inhaltlichen Aspekten bietet auch der SharePoint Designer für SharePoint 2010 und 2013, ein MS Office Tool, welches unter https://www.microsoft.com/de-de/download/details.aspx?id=35491 erhältlich ist.

 

SPDesigner

 

Im Gegensatz zu den bisher vorgestellten Tools können mit dem SharePoint Designer sogar SharePoint-Anwendungen, wie Workflows, Webseiten, Listen und Ansichten mit mehr Möglichkeiten als im Frontend und zugleich leichter und schneller als mit Entwicklung implementiert werden. Vor allem Designsolutions können durch den direkten Zugriff auf die aspx-Seiten und Masterpages mit dem SharePoint Designer umgesetzt werden. Dieser Zugriff kann auch genutzt werden, um Fehlkonfigurationen von Webparts, Ansichten und Workflows zu analysieren und zu korrigieren.

 

 

6. Browser Console

Eine Vielzahl von Problemen entsteht schon im Browser. Dies ist insofern für den Endanwender oft nicht direkt sichtbar, als dass meist nicht eine auffällige vom SharePoint generierte Fehlermeldung angezeigt wird, und das Verhalten der Anwendung oft eher unzuverlässig, als komplett nicht funktionsfähig erscheint. In diesen Fällen lohnt sich ein Blick in die Browserkonsole, welche mit der Taste „F12“ geöffnet werden kann.

 

BrowserConsole

 

Hier erhält der Anwendungsadministrator eine Übersicht über den Aufbau der Website (DOM Explorer), eine Möglichkeit direkt JavaScript-Eingaben auf der Seite ausführen zu lassen, sowie JavaScript-Fehlermeldungen zu sehen (Console). Zusätzlich kann er auch über einen Debugger das JavaScript auf der Webseite direkt debuggen und mit einem Netzwerkmonitor (Network) die Netzwerkanfragen und evtl. Zugriffsprobleme analysieren.

 

So unterschiedlich die Tools sind, haben sie doch eines gemeinsam. Es gibt keine „EINE“ Stelle, an der ein Fehler gefunden werden kann. Meine Erfahrung hat eher gezeigt, dass sie oft nur einen Einstieg liefern.

Es kann aus einer umfangreichen Fehleranalyse nie der SharePoint Server, oder der SQL Server oder der Windows Server für sich betrachtet werden. Letztendlich bildet die Anwendung auf dem SharePoint mit der Architektur darunter eine Einheit. Genauso wenig kann nicht immer alleine durch Analyse des Datenmodells, der Dateneingaben und der Konfiguration der Anwendung ein Fehler in einer entwickelten Lösung gefunden werden. Hier wird als letzte, aber auch zuverlässigste, wenn auch aufwendigste Möglichkeit der Fehlersuche immer das Debuggen der eigentlichen Solution notwendig sein.